Privates zu Dr. Dr. med. Matthias Siessegger
Privates zu Dr. Dr. med. Matthias Siessegger

Privates

Wußte Dr. Dr. Siessegger bereits zu Beginn seines Medizinstudiums, dass ihn der Weg in die Ästhetische Medizin führen wird? Wie sieht eine typische Arbeitswoche beim ihm aus? Und was liebt er besonders an seinem Beruf? Diese und weitere Antworten liefert das folgende Interview, welches einen ungewöhnlich offenen Blick hinter die Kulissen der Schönheitschirurgie erlaubt.

Das Interview wurde von der Agentur DOCRELATIONS am 14. Februar 2014 in Köln geführt.

 

DOCRELATIONS

Herr Dr. Dr. Siessegger, als Sie Mitte der 80er Jahre mit Ihrem Medizinstudium an der Universität zu Köln begonnen haben, war Ihnen zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass Sie Ihr Weg in die Ästhetische Chirurgie führen wird?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Nein, diese Zeit war eher geprägt von unerschöpflicher Neugierde.
Als naturwissenschaftlich geprägter junger Student und Sportler faszinierte mich in erster Linie die Funktion des menschlichen Körpers. Das gilt übrigens bis heute. Kaum etwas ist so überwältigend und beeindruckend wie die Natur in Form des menschlichen Organismus. Ich war äußerst interessiert daran zu verstehen, wie das alles funktioniert, was da in unserem Körper vor sich geht.

Es wäre nicht ehrlich, wenn ich heute die Phrase vertreten würde, dass ich mich zum "Heilen" berufen gefühlt habe. Natürlich war auch für mich die Option, die medizinische Heilkunst anzuwenden um Menschen zu helfen sehr begehrenswert, sie war aber nicht das wirklich Ausschlaggebende.

Gleichzeit wurde damals mein Alltag auch stark von sportlichen und musischen Beschäftigungen dominiert. Neben vielen Sporttätigkeiten war ich ein ganz passabler Zeichner, nicht ganz untalentiert am Klavier und auch sonst ständig bemüht, besonders kreativ unterwegs zu sein.

 

DOCRELATIONS

Gab es ein Schlüsselerlebnis, welches Sie zu der Entscheidung veranlasst hat, sich im Studium auf Plastische Gesichtschirurgie zu spezialisieren?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Im Laufe des Studiums wurde mir schnell klar, dass man sich zumindest teilweise entscheiden muss, was nun wirklich der Lebensweg sein soll. Insbesondere, wenn man einen besonders hohen Anpruch an sich und seine Ziele stellen möchte.

Leider merkte ich damals schon, dass 24 Studen am Tag oft nicht ausreichen, um alles das machen zu können, was man sich so vorgestellt hatte.

Im Weiteren habe ich das Verlangen verspürt, die Naturwissenschaft mit dem Künstlerischen zu vereinen. Eine für mich persönlich ganz hervoragende Lösung erkannte ich schnell in der Ästhetischen Chirurgie. Wissenschaft, technische Versiertheit und Präzision vereint mit gestalterischer Kreativität-, das war meine neue Faszination- und das ist bis heute meine Welt.

 

DOCRELATIONS

Über welche wesentlichen Stationen haben Sie Ihr praktisches Handwerkszeug für plastisch-ästhetische Eingriffe erhalten?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Zu meiner Studienzeit und zu Beginn der Facharztzeit gab es die Fachrichtung "Platische- und Ästhetische Chirurgie" in der ärztlichen Weiterbildung noch nicht. Ich bin auch nicht sicher, ob ich diese Ausbildungslinie direkt gewählt hätte. Heute bin ich froh darüber, mich anders entschieden zu haben.

Vom Zeichen und Malen in meiner Jugend war mir sehr bewusst, dass das Gesicht im Gestalterischen von je her eine Sonderstellung einnimmt. Hier sind die Anforderungen und damit die Ansprüche ganz besonders hoch.

Für mich lag daher schnell der Entschluss nahe, sich der Gesichtschirugie zuzuwenden. Selbtsverständlich bedeutet das (bis heute) eine ganz besonders aufwenige, lange und auch im wissenschaftlichen Sinn einzigartige Herausforderung. Auch heute noch gilt in Deutschland für die Gesichtschirugie eine (einzigartige) Sondersituation mit den erforderlichen beiden unabhängigen Studiengängen und der Option zweier Approbationen und Doktortitel.
Das ist für einen jungen Menschen schon eine sehr lange Zeit, auf die man sich festlegen muss.

Für mich spielte das jedoch nicht die wesentliche Rolle, ich wollte mir das zumuten. Im meinen Fall war dies eine besonders glückliche Weichenstellung, zumal ich damals noch nicht absehen konnte, welchen Lehrern ich tatsächlich in dieser Fachdisziplin folgen durfte.

In meiner ersten ärztlichen Dekade beeinflusst und gesichtschirurgisch geprägt bis heute bin ich Joachim E. Zöller zu besonderem Dank verpflichtet. Durch ihn habe ich nicht nur das grundlegende Handwerk, sondern auch die Vielfalt in der rekonstruktiven Plastischen Gesichtschirurgie - beim Einsatz beim Neugeborenen bis hin zu umfangreichsten Defektrekonstruktion auf höchstem universitären Niveau – kennen und erlernen dürfen.

Bernd Klesper nahm mich mit an die frühe vordere Front der Mikrochirurgie. Er habilitierte seiner Zeit über die mikrochirurgischen Rekonstruktionsverfahren des Gesichtes und ist bis heute ein sehr erfolgreicher Ästhetischer Chirurg in Hamburg.

Parviz Ansari und Werner Mang zeigten mir in den 90er Jahren ihre beeindruckenden chirurgischen Kenntnisse abseits der Universität.

Der wirklich maßgebliche, lebensprägende Einfluß, ästhetisch-chirurgisch- aber ganzheitlich und global mit vielen wichtigen-, sagen wir -humanistischen Facetten bereichert - kam mit Kennenlernen meines fast väterlichen Freundes Joram Levi. Für mich ist Joram Levi bis heute ein einzigartiger Chirurg, Ästhet und ganz besonderer Mensch. Er verbindet für mich Logik, Wissenschaft und Kunst wie kein anderer.

 

DOCRELATIONS

Herr Dr. Dr. Siessegger, Ihr Facharzttitel lautet „Facharzt für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie“. Dennoch nehmen Sie auch Operationen vor, die nicht zum Gesichtsbereich gehören, zum Beispiel Brustvergrößerungen. Wie kam es eigentlich dazu?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Zum täglichen Handwerk eines versierten Gesichtschirurgen gehören die rekonstruktiven chirurgischen Techniken des Gesichtes nach Unfällen oder Krebsdefekten. Um Weichteile im Gesicht zu ersetzen kam dem Brustmuskel und seine umgebenden Weichteile bis in die 90er Jahre eine besondere Rolle zu. Heute habe aufwendigere Lappentechniken diese Option teilweise ersetzt.

Zu meiner Ausbildungszeit gehörte die Brustchirurgie aufgrund der Pectoralischirurgie zum festen Bestandteil des Handwerkes eines Gesichtschirugen. Seit fast 15 Jahren betreibe ich die Brustchirurgie mit sehr viel Elan und Freude.

 

DOCRELATIONS

Wie viele Brustvergrößerungen, Bruststraffungen und Fettabsaugungen nehmen Sie vor?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Zunächst muss man festhalten, dass ich mich in den letzten 12 Jahren zunehmend und nahezu ausschließlich mit 10 verschiedenen Ästhetischen Operationen auseinandersetze und durchführe.

Ich denke, dass man ein absolutes Topniveau nicht erreichen kann, wenn man beispielsweise neben den großen Ästhetischen Anforderungen auch Handchirurgie, Fußchirurgie, Intimchirurgie und ähnliches gleichzeitig und längerfristig im Leistungsangebot hat.

Ich zumindest habe mich für 10 Operationen entschieden. Diese beinhalten Faceliftings, Nasen- und Ohrenkorrekturen, Lidliftings, Fettabsaugungen und Eingriffe der Weichteilchirurgie.
Brustchirurgische Eingriffe machen etwa ein Drittel aus, so meine Einschätzung.

 

DOCRELATIONS

Stoßen Sie manchmal auf Vorbehalte aufgrund Ihres Facharzttitels?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Selbstverständlich und in der Tendenz sogar zunehmend. Das ist der Historie geschuldet. In Einzelfällen eventuell auch dem Neid anderer. 

Ich habe mich daran gewöhnt und freue mich eher darüber, dass ich sehr gute, fachübergreifende Kooperationen mit vielen Kollegen erfreuliche und erfolgreich pflege - abseits aller Ressentimentes und ungeachtet des berufspolitischen Lobbyismus.

Die Ästhetische Medizin ist ein so schönes und unendlich interessantes Fach. Wenn Sie nicht über den Tellerrand hinausgehen, werden Sie niemals bedeutungsvolles leisten können. Das merken auch zunehmend Kollegen anderer Fachdisziplinen.

 

DOCRELATIONS

Inwiefern unterscheidet sich die Ausbildung zum Facharzt für Plastische Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie zur Ausbildung zum Facharzt für Plastische Chirurgie?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Zunächst einmal gibt es Ausbildungsordnungen, Weiterbildungsordnungen, OP-Kataloge und derartiges in allen chirugischen Disziplinen. Viele Fachdiszipinen nehmen für sich in Anspruch, die geeignete und beste hinsichtlich der Kompetenz in bestimmten Regionen der Ästhetischen Chirurgie zu sein, das ist menschlich und naheliegend.

Ich denke, eine Facharztausbildung ist sicher wichtig. Ich denke aber auch, dass mit Erhalt der Facharzturkunde es mit der Kompetenz, alleine und selbstständig ästhetisch-chirurgrische Operationen durchzuführen, nicht in jedem Fall besonders weit her ist - um es einmal ganz vorsichtig auszudrücken.

Wir haben vor Jahren einmal eine Studie durchgeführt und junge Kollegen unter Wahrung der Anonymität befragt, welche und wieviele Ästhetische Eingriffe sie in ihrer Facharztausbildung durchgeführt haben. Wir haben diese Ergebnisse nie veröffentlicht. Meine Meinung, wonach die individuellen Ausbildungsumstände und die entsprechenden Lehrer einen besonderen Stellenwert darstellen, hat sich jedoch mehr als bestätigt.

Ich denke, die Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie ist - wie andere Disziplinen auch - sehr geeignet um einen Grundstock für eine Ausbildung in der Ästhetik zu legen. Ich hatte seinerzeit in meiner Assistenzarztzeit und in der Facharztzeit bis zum Oberarzt mehr als 5.000 Eingriffe im Gesicht durchgeführt. Das hat mir ein gutes Maß an Sicherheit, Präzisionion und ein wertvolles Gefühl im Umgang mit Gewebe geben können.

 

DOCRELATIONS

Das Thema Ästhetische Chirurgie wird in den Medien immer wieder kontrovers diskutiert. Oft wird von „Schönheitswahn“ gesprochen und die Eingriffe als verwerflich dargestellt. Was sagen Sie dazu?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Es gibt wohl kaum ein Thema, welches die Medien nicht „hypen“ möchten, wenn es denn Quote bringt.

Offenbar ist diese Thematik jeodch auch gut geeignet, um entsprechende Formate – vor allem im privaten TV – zu generieren und damit Quote zu schaffen.

Andererseit ist jedoch auch richtig, dass die Anzahlen der operativen Eingriff in Deutschland seit vielen Jahren nicht wesentlich - oder gar nicht - ansteigen.

Auch glaube ich, dass der „Wunsche nach Schönheit“ seit Menschengedenken ähnlich stark verwurzelt ist.
Unter Umständen ist dieser „Schönheitswahn“ durch die Medien, die sich dieses Themas besonders gerne bedienen, einfach überbewertet. Wir arbeiten aus deratigen Überlegung auch grundsätzlich nicht mit dem Fernsehen zusammen.

Ich kann zumindest für mich behaupten, dass ich mich mit zunehmenden Alter eher zurückhaltender einschätze, was operative Interventionen angeht.

Anders natürlich ist es bei den sogenanngen BOTOX®-Injektionen. Diese sind sicher sehr stark zunehmend in den letzten Jahren. Hier sehe ich aber auch kein Problem, wenn man vernünftig mit der Sache umgeht.

 

DOCRELATIONS

Herr Dr. Dr. Siessegger, wie sieht eine typische Arbeitswoche bei Ihnen aus?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Zunächst einmal bin ich Frühaufsteher und glaube daran, dass man in der ersten Hälfte des Tages besonders konzentriert arbeiten kann.

Zudem wird mir oft vorgeworfen, ich sei ein „Workaholic“.

Ich habe sicher das außerordentlich große Glück, viel Spass an meiner Arbeit zu haben. Daher arbeite ich nicht nur gerne, sondern auch viel und lange. Am Wochenende versuche ich dafür, für die Familie da zu sein. Dann ist selbst telefonieren wenn möglich tabu. Kongresse versuche ich ebenso am Wochenende weitesgehend zu umgehen.

 

DOCRELATIONS

Würden Sie sich als typischen „Schönheitschirurgen“ beschreiben?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Der „typische Schönheitschirurg“ ist meist mit eher negativen Attributen besetzt. Allerdings weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, weshalb das so ist. Spätestens seit der Serie Nip-Tuck gibt es sicher auch Fans von solchen Stereotypen.

Ich hoffe, ich bin ein ganz normaler Mensch, vielleicht mit dem Hang, etwas zu machen. Also eher „aktiver Gestalter“. Ganz bestimmt nicht passiver Konsumer.

 

DOCRELATIONS

Was lieben Sie besonders an Ihrem Beruf?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Die Freiheit, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernemhen. Zudem macht man in der Regel etwas Kreatives und Vernünftiges, das anderen hilft oder zumindest gefällt. Auch reizt natürlich die Tatsache, dass nichts vollkommen ist, und ich selbst mein Leben lang (hoffentlich) hinzulernen werde.

 

DOCRELATIONS

Was stört Sie am meisten an Ihrem Beruf?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Die üblichen Unannehmlichkeiten, die Sie im Dienstleistungsgeschäft eben bewältigen müssen. Fehler, Vergesslichkeiten, Dummheit und Faulheit, fehlende Begeisterungs- und Engagementfähigkeit.

 

DOCRELATIONS

Was halten Sie von Arzt-Bewertungsportalen im Internet?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Wie alles im Internet sind auch derartige Konstrukte sicher in Bewegung, birken ein Mißbrauchspotential und sind mit gewisser Vorsicht zu geniesen. In der Regel beobachte ich nur in Ausnahmesituationen solche Dinge wie Portale.

Mir wird aber regelmäßig berichtet, man müsse heutzutage gute Bewertungen vorweisen-, manche Kollegen präsentierten sich mit 1,0-Noten und derartigem. Da wird mir fast Angst bei der Überlegung, wie so etwas zustande kommen kann.

Ich selbst bin hinsichtlich solcher Bewertungen wahrscheinlich auch nicht besoderes geeignet, habe oft (zu) wenig Zeit, bin vielleicht auch nicht freundlich genug. Das tut mir einerseits leid, andererseits kann und möchte ich mich auch nicht verstellen.

 

DOCRELATIONS

Was unternehmen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Ich versuche, soweit es geht, ein gutes Vorbild zu sein.
Sport, Musik aktiv, Politik eher passiv.

 

DOCRELATIONS

Welche Person aus der Geschichte bewundern Sie besonders und warum?

 

Dr. Dr. Matthias Siessegger

Ich bewundere sehr viele Menschen. Insbesondere, wenn sie etwas zu sagen hatten oder haben. Wenn sie für ihre Überzeugungen besonderes Engagement bewiesen haben, sich selbst zurück genommen haben und andere von Besserem begeistern konnten.

Eine einzelne Person heraus zuheben, fällt mir eher schwer. Letztlich müssen sehr viele-, jeder eben zumindest ein bisschen- dazu beitragen, dass es der Gesamtheit besser gehen kann. Dazu sind wir meines Erachtens verpflichtet. Zumindest versuche ich, regelmäßig daran zu erinnern.